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News - Blog Post

CCC Racing: Eschborn - Frankfurt


Vom Bordstein bis zur Skyline…


Was begrifflich für das Debütalbum von Bushido sehr gut passte, gilt für den Radklassiker Eschborn-Frankfurt gleichermaßen. Die Gründe sind nur vollkommen andere. Vom Bordstein hältst Du in Frankfurt nämlich lieber Abstand und für die Skyline hast Du auch vom Feldberg aus keine Zeit. Beides ist zwar irgendwie da, wenn Du es wahrnimmst, ist es aber meistens zu spät.


Die einen feiern ihn als Tag der Arbeit und die anderen als den Auftakt der deutschen Radklassiker – der 1. Mai. Für welche Variante man sich beim Café Cycle Club entscheidet, liegt natürlich auf der Hand. Bereits im vergangenen Jahr startete man erstmalig bei diesem altehrwürdigen Event als Team. Und auch dieses Mal waren wieder sechs CCCler vertreten.


Inzwischen gehört man ja schon ein bisschen dazu. Bei unserer Ankunft in Eschborn sind sie bereits alle vor Ort. Die Teams von Cofidis, DSM und Uno-X. Wir fühlen uns wieder sofort heimisch. Ja gut, die Busse der anderen sind momentan noch etwas größer. Aber ob das bei der Leidenschaft fürs Thema an sich auch so ist, da sind wir uns nicht mehr so sicher. Wir parken also unsere Fahrzeuge, laden die Räder aus und schieben Richtung Rezeption. Am Eingang wird man nett von André Greipel gegrüßt, zehn Minuten später hat man sein Zimmer bezogen und auf den Fluren davor wimmelt es nur so von Radfahrern, Mechanikern und Physiotherapeuten. In der Luft liegt ein Duft von Massageöl und wer durch die nur angelehnten Zimmertüren blickt, erkennt auch schnell warum. So sieht also eine professionelle Vorbereitung aus? Rumliegen und sich massieren lassen, das haben die „Stahlwaden“ des CCC nicht nötig. Wir sind ein bodenständiger Club und holen daher zunächst unsere Startunterlagen selbst ab, bevor wir beim Italiener zur Pasta-Party einkehren.


Einige von uns hatten bereits Eschborn-Frankfurt Erfahrung, andere nicht. Welche Ratschläge hat ein „alter Hase“ im Racing-Business also so parat? Gute Frage. Die Antwort könnte vielschichtig ausfallen. Aber bei einer Sache sind sich wohl alle einig: Such Dir verdammt nochmal eine Gruppe! Klingt einfach, denkt man. Bis man es tatsächlich machen muss…


Es ist Montagmorgen um 8:45 Uhr. Das Frühstück nahmen wir bereits um 6:30 Uhr ein. Die Räder hatten wir am Vorabend natürlich jeweils selbst präpariert. Und die „massierten Herrenwaden“ schlürften vermutlich im Hotel gerade noch gemütlich den ersten Kaffee des Tages. Aber hier, hier bei uns, beim ehrlichen und bodenständigen Radsport, da fiel jetzt der Startschuss zur 104 Kilometer langen Rundfahrt. 1.500 Höhenmeter, mehr und weniger schön verteilt, sollten uns den Tag zusätzlich versüßen. Bis der Tross der Vorausfahrenden sich in Gang setzte, vergingen nochmal weitere 90 Sekunden. Und dann rollten wir auch. Erst langsam, dann schneller und dann nicht langsam genug viel zu schnell. Ähhhm, was? Ja genau! Nix Coffee-Ride!


So ein Rennstart ist immer einzigartig. Erst befindest Du Dich in der Menschenmenge unter tausenden Radfahrern. Aus den Lautsprechern schallt meistens Europe’s „Final Countdown“ und gefühlte Sekunden später hörst Du nur noch den Wind, während Du mit knapp 60 Stundenkilometern über den Asphalt bretterst. Das Kuriose daran: Es fühlt sich zunächst gar nicht so schnell an. Die Leute um Dich herum sind ja genauso schnell. Eigentlich fährt man „nur mit“. So vergehen weitere zwei, drei Minuten bis man merkt, dass man die paar hundert Watt, die man gerade tritt, eigentlich gar nicht halten kann. Und erst jetzt kommt der einzigartige Teil – die Gruppenfindung. Die Weisheit des „alten Racing-Hasen“ wollen wir natürlich nicht ignorieren. Wie gelingt es also dieses Mal, eine geeignete Gruppe zu finden? Da man im CCC stets bemüht ist, vorausschauend zu denken, kommt auch hier natürlich nur Eins in Frage. Die Flucht nach vorne ans nächste geeignete Hinterrad. Wir ignorieren also noch einmal den bereits entstandenen Schmerz und legen zu, um die Zehnergruppe vor uns zu erreichen. Hier haben wir endlich Ruhe, um uns auf die kommenden Aufgaben zu fokussieren. Oh my Dear, welch ein Irrglaube...


Es gibt keine, aber auch wirklich absolut keine Gruppe, die Dir auch nur einen Hauch von irgendetwas gönnt. Alles, einfach alles wird als Anlass genommen, um das Tempo zu forcieren. Bereits hier kann sich Vieles entscheiden. Lässt Du jetzt locker, kostet das Minuten. Und da wir ja bekanntlich ein Rennen fahren, sind Minuten schon eine ganze Menge. Wir fügen uns also der Gruppendynamik. Kommt eine lange Gerade, wird gepusht. Steigt die Straße minimal an, wird gepusht. Kommt eine Kurve vor welcher runtergebremst wurde, wird ge… . Falsch, es wird aus dem Sattel gegangen, weil einfach nur pushen zu wenig ist, um dranzubleiben. Ach ja, da war noch etwas mit diesen Kurven. Du willst sie natürlich schön außen anfahren, präzise den Scheitelpunkt treffen und Dich am Ausgang weit hinaustreiben lassen, um möglichst wenig Geschwindigkeit zu verlieren. Das ist eine prima Idee. Du bist allerdings nicht alleine unterwegs. Alle paar hundert Meter stehst Du also vor der erneuten Abwägung zwischen Kurveneffizienz und Risiko. Und hier kommt noch ein „Mitspieler“ von eben dazu – der Bordstein. Halte Dich von ihm fern. Er ist Dein Feind! Na was sollen wir nun zusammenfassend sagen? Die ersten 35 Kilometer Eschborn-Frankfurt sind vorbei. Wir verbrachten sie irgendwo in einer Jonglage aus Adrenalin, taktischem Denken, brennenden Oberschenkeln und ein bißchen Wahnsinn. Das macht auf der Uhr aber bis dato auch 42 km/h im Schnitt. Gar nicht mal schlecht für uns „Coffee-Rider“…


Endlich. Der erste längere Anstieg des Tages liegt voraus. Es geht auf den Feldberg. Zwar gut zehn Kilometer lang, dafür moderat in der Steigung. Wir freuen uns. Denn die nächste halbe Stunde dürfen wir endlich ganz alleine leiden. Keine Gruppen, keine schnellen Kurven und einfach das eigene Tempo. Es ist fast wie Urlaub…


Die anschließende Abfahrt bietet Abwechselung. Enge Kurven wechseln mit langen, Passagen durch bewaldete Abschnitte wechseln mit sonnigen Geraden. Unten angekommen sind wir zwar nicht entspannt, dafür aber etwas erholt um uns wieder auf Gruppensuche zu begeben. Das Spielchen beginnt also von vorn. Irgendwann gelingt es wieder, sich hinter einigen gleichstarken Fahrern einzureihen, um die nächsten flachen Kilometer abzuspulen. Und dann folgt das nächste Highlight. Es ist eine Legende im Radsport – der Mammolshainer Stich. Du weißt bereits, wann Du Dich ihm näherst. Nämlich genau dann, wenn alle um Dich herum verdächtig langsam fahren, obwohl es doch viel schneller ginge. Es ist noch mäßig ansteigend und Du könntest locker deutlich zulegen. Machst Du aber besser nicht. Ein, zwei Abzweigungen später weißt Du auch warum. Im Alltag ist sie eine kleine Stichstraße im Herzen Mammolshains. Sie trägt den unspektakulären Namen „Am Steinbruch“. Bist Du sie ein einziges Mal mit dem Rad heraufgefahren, wirst Du sie Dein Leben lang nicht vergessen. An der steilsten Stelle knapp 22 Prozent Steigung. Hier helfen Dir grölende Fans am Straßenrand mehr als alles andere. Hierauf kannst Du dich nicht vorbereiten. Du musst es einfach akzeptieren, dass es jetzt wehtun wird. Augen zu, durchhalten und atmen…


Oben angekommen kann man sich erholen. Zumindest fühlt sich der Rest des Berges wie Erholung an. Auch wenn es immer noch moderate acht Prozent sind. Das ist allen aber nun völlig egal. Spätestens hier hat niemand mehr Ambitionen dem anderen davonzufahren. Es geht jetzt nur noch darum anzukommen. Aber mit dem Zielstrich wird man bereits wenige Kilometer später auch schnell belohnt.


Was nehmen wir von unserer zweiten Teilnahme in Eschborn so alles mit? Mehr Rennfeeling als hier wirst Du als Jedermann vermutlich nirgendwo bekommen. Außerdem bietet die abwechslungsreiche Strecke für Fahrertypen aller Art einen eigenen Reiz. Vermutlich sind wir auch im nächsten Jahr wieder in Arabica am Start. Wenn der Club also mehr und mehr zum Klassiker heranwächst, bleiben wir Eschborn-Frankfurt treu, das längst diesen Status erreicht hat...


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